Histamin und Hormone: Die Östrogen-Histamin-Verbindung

Histamin und Hormone hängen eng zusammen. Erfahre, wie Östrogen den Histaminspiegel beeinflusst und was bei Zyklus und Wechseljahren hilft.

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Histamin und Hormone beeinflussen sich gegenseitig in einem Wechselspiel, das erklärt, warum etwa 80 Prozent der Betroffenen weiblich sind. Östrogen stimuliert die Histaminfreisetzung aus den Mastzellen und hemmt gleichzeitig das DAO-Enzym (Diaminoxidase), während Histamin seinerseits die Östrogenproduktion in den Eierstöcken anregt, was einen sich selbst verstärkenden Kreislauf erzeugt. Dieser hormonelle Zusammenhang ist der Grund, warum viele Frauen ihre Histaminsymptome zyklusabhängig erleben und warum die Beschwerden in der Pubertät, nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren erstmals auftreten oder sich verstärken. Ein hormonbewusstes Histaminmanagement, das Zyklusphasen, Schilddrüsenfunktion und Stresshormone berücksichtigt, kann die Lebensqualität erheblich verbessern.

Wie hängen Histamin und Östrogen zusammen?

Der Östrogen-Histamin-Kreislauf

Die Verbindung zwischen Östrogen und Histamin ist einer der Hauptgründe, warum Histaminintoleranz Frauen deutlich häufiger betrifft als Männer. Studien zeigen, dass etwa 80 Prozent der Betroffenen weiblich sind, wobei die Symptome häufig erstmals in der Pubertät, nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren auftreten. Östrogen (Estradiol) bindet an Rezeptoren auf den Mastzellen und stimuliert dort die Freisetzung von Histamin und anderen Entzündungsmediatoren. Gleichzeitig hemmt Östrogen die Produktion des DAO-Enzyms im Darm, das für den Abbau von Nahrungshistamin verantwortlich ist. Histamin wiederum regt die Eierstöcke zur vermehrten Östrogenproduktion an, wodurch ein positiver Rückkopplungskreislauf entsteht, der sich selbst verstärkt. Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard, Gynäkologin und Naturheilkunde-Spezialistin an der Universität Heidelberg, beschreibt diesen Mechanismus als “hormonellen Teufelskreis, der erklärt, warum viele Frauen ihre Histaminsymptome zyklusabhängig erleben.” Dieser Kreislauf macht deutlich, warum eine rein ernährungsbezogene Behandlung bei hormonell bedingter Histaminproblematik oft nicht ausreicht.

Progesteron als natürlicher Gegenspieler

Während Östrogen die Histaminfreisetzung fördert, wirkt Progesteron als natürlicher Gegenspieler mit antihistaminischer Wirkung. Progesteron stabilisiert die Mastzellen, hemmt die Histaminfreisetzung und fördert die DAO-Aktivität im Darm. Dieses Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron erklärt, warum viele Frauen ihre Histaminsymptome in bestimmten Zyklusphasen stärker oder schwächer erleben. In der ersten Zyklushälfte steigt der Östrogenspiegel an, was die Histaminbelastung erhöht. Nach dem Eisprung übernimmt Progesteron und kann die Histaminsymptome lindern. Bei einer sogenannten Östrogendominanz, bei der das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron zugunsten des Östrogens verschoben ist, fehlt dieser schützende Progesteroneffekt teilweise oder ganz. Laut der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) betrifft eine relative Östrogendominanz einen erheblichen Anteil der Frauen im gebärfähigen Alter, besonders in Stressphasen und bei Übergewicht.

Die Rolle der Nebennieren

Die Nebennieren spielen eine oft übersehene Rolle im Zusammenspiel von Histamin und Hormonen. Sie produzieren Cortisol, das als körpereigenes Antihistaminikum wirkt und die Mastzellaktivität dämpft. Gleichzeitig setzen die Nebennieren bei Stress Adrenalin frei, das die Histaminfreisetzung kurzfristig hemmen, bei chronischem Stress aber die Mastzellen erschöpfen kann. Eine Nebennierenschwäche (adrenale Erschöpfung), die durch chronischen Stress, Schlafmangel und die ständige Belastung durch Histaminsymptome entstehen kann, reduziert die Cortisolproduktion und damit die körpereigene Fähigkeit, Histaminreaktionen zu bremsen. Der Zusammenhang zwischen Nebennierenfunktion, Stress und Histamin erklärt, warum Betroffene in Stressphasen deutlich stärkere Symptome erleben. Eine Unterstützung der Nebennierenfunktion durch Stressreduktion, ausreichend Schlaf und adaptogene Heilpflanzen kann die Histamintoleranz verbessern.

Warum verschlechtern sich HIT-Symptome vor der Periode?

Das prämenstruelle Histaminhoch

In den Tagen vor der Menstruation erleben viele Frauen mit Histaminintoleranz eine deutliche Verschlechterung ihrer Symptome. Dieser Zusammenhang erklärt sich durch die hormonellen Veränderungen in der späten Lutealphase des Zyklus. Obwohl der Progesteronspiegel in dieser Phase noch relativ hoch ist, beginnt er bereits zu fallen, während der Östrogenspiegel einen zweiten, kleineren Gipfel erreichen kann. Dieses Ungleichgewicht zugunsten des Östrogens triggert eine verstärkte Mastzellaktivierung und Histaminfreisetzung. Die Gebärmutterschleimhaut selbst enthält viele Mastzellen, die vor der Menstruation aktiviert werden und lokale sowie systemische Histaminwirkungen entfalten. Viele Frauen berichten, dass ihre Kopfschmerzen, Hautreaktionen, Magen-Darm-Beschwerden und Stimmungsschwankungen in den drei bis sieben Tagen vor der Periode am stärksten sind. Dieses Muster ist ein wichtiger diagnostischer Hinweis, der auf einen hormonellen Zusammenhang der Histaminintoleranz hinweist.

Dysmenorrhoe und Histamin

Histamin spielt eine direkte Rolle bei Menstruationsbeschwerden (Dysmenorrhoe), da es die Kontraktilität der Gebärmuttermuskulatur beeinflusst und Entzündungsprozesse in der Gebärmutterschleimhaut verstärkt. Starke Regelschmerzen, übermäßige Blutung und Krämpfe können Zeichen einer histaminvermittelten Überreaktion in der Gebärmutter sein. Dr. med. Nadine Mothes-Luksch, Gynäkologin und Histamin-Spezialistin in Wien, erklärt: “Viele Patientinnen mit schwerer Dysmenorrhoe profitieren von einer histaminarmen Ernährung in der Woche vor der Menstruation, da die reduzierte Histaminbelastung die Gebärmutterkontraktionen und die begleitenden Beschwerden deutlich lindern kann.” Neben der Ernährungsanpassung können Magnesium (400 mg täglich) und Omega-3-Fettsäuren die Menstruationsbeschwerden zusätzlich reduzieren. Wärmeanwendungen auf dem Unterbauch entspannen die Gebärmuttermuskulatur und fördern die Durchblutung, sollten aber nicht zu heiß sein, da extreme Hitze die Histaminfreisetzung steigern kann.

Wie beeinflusst der Zyklus die Histamintoleranz?

Die vier Zyklusphasen und Histamin

Jede Phase des weiblichen Zyklus beeinflusst die Histamintoleranz auf unterschiedliche Weise, was für das tägliche Histaminmanagement entscheidend ist. In der Menstruationsphase (Tag 1-5) ist der Histaminspiegel oft noch erhöht, da die Mastzellen in der Gebärmutter bei der Abstoßung der Schleimhaut Histamin freisetzen. In der Follikelphase (Tag 6-13) steigt der Östrogenspiegel langsam an, aber Progesteron ist noch niedrig, was für viele die verträglichste Zyklusphase darstellt. Um den Eisprung (Tag 14) erreicht Östrogen seinen Höhepunkt, was die Histaminfreisetzung steigert und bei vielen Frauen einen Symptomschub verursacht. In der Lutealphase (Tag 15-28) kann Progesteron zunächst schützend wirken, aber in der späten Lutealphase fällt Progesteron schneller ab als Östrogen, was die prämenstruelle Histaminverschlechterung erklärt. Die SIGHI (Schweizerische Interessengemeinschaft Histaminintoleranz) empfiehlt, die Ernährung an den Zyklus anzupassen und in östrogendominanten Phasen besonders strikt histaminarm zu essen.

Zyklusbasiertes Histaminmanagement

Ein zyklusbasiertes Histaminmanagement kann die Lebensqualität von Frauen mit Histaminintoleranz erheblich verbessern. Tracke deinen Zyklus mit einer App wie “Clue” oder “Flo” und notiere parallel deine Histaminsymptome, um dein individuelles Muster zu erkennen. In der zweiten Zyklushälfte und vor der Periode solltest du deine histaminarme Ernährung besonders strikt einhalten und zusätzliche Trigger wie Alkohol, Stress und intensive Belastung vermeiden. In der symptomärmeren ersten Zyklushälfte kannst du vorsichtig austesten, welche Lebensmittel du in moderaten Mengen verträgst. Plane wichtige Termine, Feiern und Restaurantbesuche möglichst in die erste Zyklushälfte, wenn deine Histamintoleranz am höchsten ist. Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Vitamin B6 und Vitamin C können in der zweiten Zyklushälfte höher dosiert werden, um die Histaminbelastung abzufedern.

Auf einen Blick: Histamintoleranz im Zyklusverlauf
  • Tag 1-5 (Menstruation) — Histamin oft erhöht, histaminarm essen, Magnesium nehmen
  • Tag 6-13 (Follikelphase) — verträglichste Phase, vorsichtiges Austesten möglich
  • Tag 14 (Eisprung) — Östrogen-Peak, Symptomschub möglich, auf Trigger achten
  • Tag 15-28 (Lutealphase) — zunehmende Histaminbelastung, strikt histaminarm essen
  • Tag 25-28 (Premenstruell) — höchste Histaminbelastung, maximale Vorsicht

Was passiert mit Histamin in den Wechseljahren?

Perimenopause und Histaminschübe

Die Perimenopause, die Übergangsphase vor der Menopause, ist für viele Frauen mit Histaminintoleranz eine besonders herausfordernde Zeit. Die starken Hormonschwankungen in dieser Phase, mit unregelmäßigen Östrogengipfeln und zunehmendem Progesteronmangel, können die Histaminsymptome erheblich verstärken. Viele Frauen entwickeln in der Perimenopause erstmals Histaminsymptome oder erleben eine deutliche Verschlechterung bestehender Beschwerden. Hitzewallungen, die zu den typischsten Wechseljahresbeschwerden gehören, haben eine histaminerge Komponente, da Histamin die Blutgefäße erweitert und die Thermoregulation im Hypothalamus beeinflusst. Studien zeigen, dass Antihistaminika bei manchen Frauen Hitzewallungen reduzieren können, was die Beteiligung von Histamin an diesen Beschwerden unterstreicht. Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und Gelenkschmerzen in den Wechseljahren können ebenfalls durch die veränderte Histaminregulation mitbedingt sein.

Postmenopause und Normalisierung

Nach der Menopause, wenn die Östrogenproduktion der Eierstöcke dauerhaft sinkt, erleben viele Frauen eine Besserung ihrer Histaminsymptome. Der wegfallende Östrogen-Histamin-Kreislauf reduziert die mastzellbedingte Histaminfreisetzung und kann zu einer spürbar höheren Histamintoleranz führen. Allerdings betrifft das nicht alle Frauen gleichermäßen, da andere Faktoren wie Stress, Darmgesundheit und DAO-Mangel unabhängig von den Eierstockhormonen bestehen bleiben. Laut der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) zeigt sich bei einem Teil der Betroffenen in der Postmenopause eine deutliche Besserung, während andere weiterhin unter Histaminsymptomen leiden. Frauen, die eine Hormonersatztherapie (HRT) erhalten, sollten beachten, dass exogenes Östrogen die Histaminfreisetzung ebenso steigern kann wie körpereigenes Östrogen. Besprich mit deiner Gynäkologin, ob eine bioidentische Progesterontherapie als Alternative infrage kommt.

Welche Hormone beeinflussen die Histaminintoleranz noch?

Schilddrüsenhormone und Histamin

Die Schilddrüse und das Histaminsystem stehen in einer engen Wechselbeziehung, die für das Verständnis der Histaminintoleranz wichtig ist. Schilddrüsenhormone (T3 und T4) beeinflussen die Mastzellaktivität und können bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) die Histaminfreisetzung steigern. Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) verlangsamt sich der Stoffwechsel, was den Histaminabbau beeinträchtigen kann. Besonders häufig tritt die Kombination aus Histaminintoleranz und Hashimoto-Thyreoiditis auf, einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die mit chronischer Entzündung einhergeht. Prof. Dr. med. Martin Raithel, Gastroenterologe am Universitätsklinikum Erlangen, beobachtet: “Die Koinzidenz von Histaminintoleranz und Autoimmunthyreoiditis ist in der klinischen Praxis auffallend häufig und spricht für gemeinsame immunologische Mechanismen.” Lass deine Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4, TPO-Antikörper) regelmäßig überprüfen, besonders wenn du neben den Histaminsymptomen unter Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit oder Haarausfall leidest.

Insulin und Cortisol

Insulin und Cortisol sind zwei weitere Hormone, die den Histaminstoffwechsel maßgeblich beeinflussen. Insulin reguliert den Blutzucker und kann bei Insulinresistenz chronische Entzündungen fördern, die die Mastzellaktivität steigern. Starke Blutzuckerschwankungen durch unregelmäßiges Essen oder kohlenhydratlastige Mahlzeiten belasten die Nebennieren und können den Cortisolhaushalt stören. Cortisol wirkt als körpereigenes Antihistaminikum, und ein chronisch erschöpfter Cortisolspiegel reduziert diese natürliche Schutzfunktion. Eine stabile Blutzuckerregulation durch regelmäßige Mahlzeiten mit ausreichend Protein, gesunden Fetten und komplexen Kohlenhydraten unterstützt sowohl den Insulin- als auch den Cortisolhaushalt. Vermeide Zucker und stark verarbeitete Kohlenhydrate, die den Blutzucker schnell ansteigen und wieder abfallen lassen. Regelmäßiger Schlaf, Stressmanagement und moderate Bewegung stabilisieren den Cortisolrhythmus und verbessern damit die körpereigene Histaminregulation.

Auf einen Blick: Hormone und Histaminintoleranz
  • Östrogen — steigert Histaminfreisetzung und hemmt DAO-Enzym
  • Progesteron — natürlicher Gegenspieler, stabilisiert Mastzellen
  • Cortisol — körpereigenes Antihistaminikum, sinkt bei chronischem Stress
  • Schilddrüse — beeinflusst Mastzellaktivität und Histaminabbau
  • Insulin — Insulinresistenz fördert Entzündungen und Mastzellaktivierung

Wie managst du Histaminintoleranz hormonbewusst?

Schritt-für-Schritt: Hormonbewusstes Histaminmanagement

Ein ganzheitlicher Ansatz, der Hormone und Histamin gemeinsam berücksichtigt, bietet die besten Ergebnisse:

  1. Hormonstatus bestimmen lassen: Lass bei deinem Gynäkologen ein umfassendes Hormonprofil erstellen mit Östradiol, Progesteron, DHEA-S, Cortisol (Tagesprofil), Schilddrüsenwerten und DAO-Aktivität. Der optimale Testzeitpunkt für Sexualhormone ist der 21. Zyklustag.

  2. Zyklustracking starten: Tracke deinen Zyklus und deine Histaminsymptome parallel über mindestens drei Monate. Nutze eine App wie Clue oder ein Zyklustagebuch, um Muster zwischen Hormonschwankungen und Symptomen zu erkennen.

  3. Ernährung an den Zyklus anpassen: Iss in der zweiten Zyklushälfte besonders strikt histaminarm. Erhöhe in dieser Phase die Zufuhr von Magnesium, Vitamin B6 und Vitamin C. Reduziere Koffein und Alkohol vollständig.

  4. Östrogenausgleich unterstützen: Reduziere Xenoöstrogene aus der Umwelt, indem du Plastikbehälter, konventionelle Kosmetik und hormonell wirksame Chemikalien meidest. Kreuzblütlergemüse wie Brokkoli und Blumenkohl enthalten Indol-3-Carbinol, das den Östrogenmetabolismus unterstützt.

  5. Stressmanagement priorisieren: Chronischer Stress erschöpft die Nebennieren und reduziert die cortisolbedingte Histaminkontrolle. Tägliche Entspannung, ausreichend Schlaf und moderate Bewegung stabilisieren den Hormonhaushalt.

Natürliche Hormonbalance unterstützen

Verschiedene natürliche Ansätze können das hormonelle Gleichgewicht unterstützen und damit die Histamintoleranz verbessern. Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) reguliert die Progesteronproduktion und kann bei nachgewiesener Östrogendominanz hilfreich sein, sollte aber nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden. Produkte wie Agnucaston von Bionorica sind im DACH-Raum gut erhältlich. Omega-3-Fettsäuren aus Leinöl, Chiasamen oder Algenöl wirken anti-entzündlich und unterstützen die Hormonproduktion. Vitamin D (2000-4000 IE täglich) ist essenziell für die Hormonregulation und bei vielen Frauen defizitär. Ballaststoffe aus Haferflocken, Leinsamen und Gemüse unterstützen die Östrogenausscheidung über den Darm und verhindern die Rückresorption von Östrogen im Darmkreislauf. Eine ausgewogene Darmflora ist entscheidend, da bestimmte Darmbakterien (das sogenannte Estrobolom) den Östrogenmetabolismus regulieren.

Welche Rolle spielt die Pille bei Histaminintoleranz?

Hormonelle Verhütung und Histamin

Hormonelle Verhütungsmittel wie die Antibabypille können die Histaminintoleranz sowohl positiv als auch negativ beeinflussen, abhängig von der Zusammensetzung des Präparats. Kombinierte Pillen mit Östrogen und Gestagen führen dem Körper exogenes Östrogen zu, das die Mastzellaktivierung und Histaminfreisetzung steigern kann. Gleichzeitig unterdrücken sie den natürlichen Zyklus und damit die hormonellen Schwankungen, die bei manchen Frauen die Symptome verschlechtern. Reine Gestagen-Präparate (Minipille) können die Histamintoleranz verbessern, da Gestagene ähnlich wie Progesteron mastzellstabilisierend wirken können. Die individuelle Verträglichkeit ist sehr unterschiedlich, manche Frauen erleben unter der Pille eine deutliche Besserung, während andere erstmals Histaminsymptome entwickeln oder bestehende Beschwerden verschlechtern. Sprich mit deiner Gynäkologin über die möglichen Auswirkungen deiner Verhütung auf die Histaminintoleranz und erwäge gegebenenfalls einen Wechsel des Präparats oder eine hormonfreie Alternative.

Nicht-hormonelle Alternativen

Wenn hormonelle Verhütung deine Histaminsymptome verschlechtert, stehen verschiedene hormonfreie Alternativen zur Verfügung. Die Kupferspirale bietet eine langfristige hormonfreie Verhütung, kann aber bei manchen Frauen die Menstruationsblutung verstärken und damit die histaminbedingte Zyklusproblematik verschlimmern. Beachte auch, dass Kupfer ein Cofaktor der DAO-Produktion ist und eine Kupferspirale den Kupferspiegel im Blut leicht erhöhen kann, was theoretisch die DAO-Aktivität unterstützen könnte. Barrieremethoden wie Kondom, Diaphragma oder die symptothermale Methode (natürliche Familienplanung) beeinflussen den Hormonhaushalt nicht und sind bei Histaminintoleranz daher neutral. Die Goldspirale oder Kupferkette (GyneFix) sind weitere hormonfreie Optionen. Die Entscheidung für eine Verhütungsmethode sollte immer in Absprache mit der Gynäkologin unter Berücksichtigung der individuellen Histaminsituation getroffen werden.

Häufige Fragen zu Histamin und Hormonen

Schwangerschaft kann tatsächlich zu einer deutlichen Verbesserung der Histaminintoleranz führen, da die Plazenta große Mengen DAO-Enzym produziert. Ab dem dritten Schwangerschaftsmonat steigt die DAO-Aktivität im Blut um das 500- bis 1000-Fache an, was viele Schwangere von Histaminsymptomen befreit, die sie vorher jahrelang geplagt haben. Gleichzeitig steigt zwar auch der Östrogenspiegel massiv an, aber das hohe Progesteron und die enorme DAO-Produktion kompensieren diesen Effekt mehr als ausreichend. Viele Frauen erleben in der Schwangerschaft erstmals seit Jahren Symptomfreiheit. Nach der Geburt fällt die DAO-Produktion der Plazenta weg und die Histaminsymptome kehren häufig zurück, manchmal sogar verstärkt durch die hormonelle Umstellung und den Schlafmangel der Neugeborenenzeit.

PMS (Prämenstruelles Syndrom) und Histaminintoleranz teilen sich zahlreiche Symptome und können sich gegenseitig verstärken. Typische PMS-Beschwerden wie Kopfschmerzen, Blähungen, Stimmungsschwankungen, Brustspannen und Wassereinlagerungen werden teilweise durch die erhöhte Histaminfreisetzung in der Lutealphase verursacht. Die Schweizerische Interessengemeinschaft Histaminintoleranz (SIGHI) berichtet, dass Frauen mit Histaminintoleranz signifikant häufiger unter schwerem PMS leiden als die Allgemeinbevölkerung. Eine histaminarme Ernährung in der zweiten Zyklushälfte kann PMS-Symptome bei Betroffenen deutlich lindern. Magnesiumglycinat (400 mg täglich) reduziert sowohl Histaminsymptome als auch PMS-Beschwerden. Vitamin B6 unterstützt die DAO-Produktion und den Progesteronstoffwechsel gleichzeitig.

Histamin spielt eine physiologische Rolle bei der Fortpflanzung und kann bei chronischer Erhöhung die Fruchtbarkeit beeinflussen. Histamin ist an der Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut beteiligt, aber ein Übermaß an Histamin kann die Einnistung stören und das Risiko für eine frühzeitige Abstoßung erhöhen. Der Östrogen-Histamin-Kreislauf kann den Eisprung beeinträchtigen und den Zyklus unregelmäßig machen. Chronische Darmentzündungen durch Histaminintoleranz können die Aufnahme von fertilitätsrelevanten Nährstoffen wie Folsäure, Zink und Eisen beeinträchtigen. Wenn du bei Kinderwunsch unter Histaminintoleranz leidest, besprich mit deinem Arzt eine gezielte Nährstoffoptimierung und eine konsequente histaminarme Ernährung bereits in der Planungsphase.

Für die hormonell bedingte Histaminproblematik gibt es gezielte Nahrungsergänzungsmittel, die den Östrogen-Histamin-Kreislauf durchbrechen können. Vitamin B6 als aktive Form Pyridoxal-5-Phosphat (P5P, 25-50 mg täglich) ist Cofaktor der DAO-Produktion und unterstützt den Progesteronstoffwechsel. Magnesiumglycinat (300-400 mg abends) stabilisiert Mastzellen und reduziert PMS-Beschwerden. DIM (Diindolylmethan), gewonnen aus Kreuzblütlergemüse, unterstützt den gesunden Östrogenmetabolismus. Vitamin C (500-1000 mg täglich) fördert den Histaminabbau und die Progesteronproduktion. Produkte wie DIM-Kapseln von Pure Encapsulations oder Agnucaston von Bionorica sind im DACH-Raum gut erhältlich. Alle Supplements sollten in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Die Hormonersatztherapie (HRT) in den Wechseljahren kann die Histaminintoleranz beeinflussen und erfordert bei Betroffenen besondere Aufmerksamkeit. Klassische HRT mit konjugierten Östrogenen kann die Mastzellaktivierung und Histaminfreisetzung steigern und die DAO-Aktivität hemmen. Bioidentische Hormone, insbesondere transdermales Östradiol (als Gel oder Pflaster) in Kombination mit mikronisiertem Progesteron, werden oft besser vertragen als synthetische Hormonpräparate, da sie dem natürlichen Hormonprofil entsprechen. Das transdermal verabreichte Östrogen umgeht den Leberstoffwechsel und hat geringere systemische Auswirkungen auf die Mastzellen. Progesteron in der HRT kann durch seine mastzellstabilisierende Wirkung die Histamintoleranz sogar verbessern. Sprich unbedingt mit deiner Gynäkologin über deine Histaminintoleranz, bevor du eine HRT beginnst.


Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche oder gynäkologische Beratung. Hormonelle Fragen und Therapien sollten immer mit einem qualifizierten Arzt oder einer Ärztin besprochen werden.

BH
Balance Histamin
Fachredaktion für Histaminintoleranz, Ernährung und Darmgesundheit. Medizinisch geprüfte Inhalte auf Basis aktueller Studien und Leitlinien.

Quellen: DGAKI, SIGHI, Allergie-Informationsdienst. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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